Wenn Schmerzen länger als drei Monate bestehen, verändert sich ihr Charakter. Sie sind dann nicht mehr nur ein Warnsignal für eine Verletzung, sondern haben sich verselbstständigt. Das ist für Betroffene oft die zermürbendste Erfahrung: Die Untersuchungen zeigen nichts Auffälliges mehr — und trotzdem schmerzt es. Das bedeutet nicht, dass der Schmerz eingebildet ist. Es bedeutet, dass er einer anderen Logik folgt.

Schmerz ist nicht gleich Gewebeschaden

Schmerz entsteht nicht im verletzten Gewebe, sondern im Gehirn. Es bewertet eingehende Signale und entscheidet, ob eine Situation Schutz erfordert. Meist ist diese Bewertung treffend — bei akuten Verletzungen ist Schmerz ein sinnvolles Warnsignal.

Bei anhaltenden Schmerzen kann dieses System jedoch überempfindlich werden. Die beteiligten Nervenbahnen reagieren zunehmend schon auf schwache Reize, die Schmerzschwelle sinkt, und irgendwann löst eine normale Berührung oder eine alltägliche Bewegung Schmerz aus. Fachlich spricht man von zentraler Sensibilisierung — anschaulicher ist das Bild eines Alarmsystems, das zu empfindlich eingestellt ist und schon bei geringem Anlass losgeht.

Diese Einsicht ist entlastend, weil sie zwei Dinge klärt: Der Schmerz ist real, auch ohne sichtbaren Befund. Und weil er ein Lernvorgang des Nervensystems ist, ist er grundsätzlich auch wieder veränderbar.

Der Kreislauf aus Schmerz, Angst und Schonung

Wer Schmerzen hat, bewegt sich vorsichtiger. Das ist zunächst vernünftig. Hält die Schonung aber an, entsteht ein Kreislauf: Die Muskulatur wird schwächer, die Beweglichkeit nimmt ab, das Vertrauen in den eigenen Körper sinkt. Jede Bewegung wird zur Prüfung — und diese Anspannung erhöht die Schmerzempfindlichkeit weiter.

Dazu kommen Schlafstörungen, Erschöpfung und häufig auch Niedergeschlagenheit. Diese Faktoren sind keine Nebenschauplätze: Schlechter Schlaf senkt die Schmerzschwelle nachweislich. Wer chronische Schmerzen behandeln will, muss diesen Kreislauf mitdenken.

Was Körpertherapie beitragen kann

Bei chronischen Schmerzen arbeite ich vorzugsweise mit Feldenkrais. Der Grund ist methodisch: Bei einem überempfindlichen Nervensystem ist intensive Behandlung oft kontraproduktiv — sie bestätigt die Alarmbereitschaft. Feldenkrais arbeitet stattdessen mit kleinen, langsamen, anstrengungsfreien Bewegungen.

Das verfolgt drei Ziele. Erstens macht es Bewegungserfahrungen möglich, die nicht mit Schmerz verknüpft sind — und genau solche Erfahrungen braucht ein überempfindliches System, um seine Bewertung zu korrigieren. Zweitens verbessert es die Körperwahrnehmung, die bei langanhaltenden Schmerzen oft ungenau wird. Drittens — und das halte ich für den wichtigsten Punkt — entsteht Selbstwirksamkeit: die Erfahrung, selbst etwas verändern zu können.

Ergänzend kann medizinische Massage sinnvoll sein, um begleitende Verspannungen zu lösen. Ich dosiere dann bewusst vorsichtiger als bei akuten Beschwerden.

Was ich ehrlicherweise nicht verspreche

Chronische Schmerzen verschwinden selten durch eine einzelne Massnahme. Wer Ihnen das zusagt, verspricht zu viel. Was realistisch erreichbar ist: eine Verringerung der Schmerzintensität, mehr Bewegungsspielraum, besserer Schlaf und ein Alltag, der wieder planbarer wird.

Am besten belegt ist bei chronischen Schmerzen ein Vorgehen auf mehreren Ebenen: ärztliche Begleitung, körperliche Aktivierung, Verständnis für die Schmerzentstehung und — je nach Situation — psychologische Unterstützung. Körpertherapie ist ein Baustein davon, nicht die Lösung für sich allein. Wenn ich den Eindruck habe, dass Sie zusätzliche Unterstützung brauchen, sage ich Ihnen das.

Wann zuerst ärztliche Abklärung nötig ist

Häufige Fragen

Wie lange dauert es, bis sich etwas ändert?

Bei Beschwerden, die seit Jahren bestehen, ist Geduld nötig. Erste Veränderungen in der Wahrnehmung zeigen sich oft nach wenigen Terminen; eine stabile Verbesserung braucht meist mehrere Monate.

Ich habe schon vieles versucht.

Das höre ich häufig, und es ist verständlich frustrierend. Feldenkrais unterscheidet sich von den meisten Ansätzen darin, dass es nicht am Gewebe ansetzt, sondern an der Steuerung. Für manche ist genau das der fehlende Baustein — versprechen kann ich es Ihnen nicht.

Kann Bewegung schaden?

Bei chronischen Schmerzen ohne akuten Befund gilt: Bewegung im angenehmen Bereich schadet nicht, sondern hilft. Entscheidend ist die Dosierung.

Kosten und Kostenbeteiligung

Eine Behandlung kostet CHF 75 für 30 Minuten, CHF 110 für 45 Minuten und CHF 133 für 60 Minuten. Für regelmässige Begleitung gibt es vergünstigte Dreier-Abos. Da meine Praxis EMR- und ASCA-anerkannt ist, beteiligen sich die meisten Zusatzversicherungen an den Kosten. Alle Tarife finden Sie auf der Seite Preise.

Schlaf und Alltag: die unterschätzten Stellschrauben

Wer chronische Schmerzen hat, schläft meist schlechter. Und wer schlechter schläft, empfindet mehr Schmerz — die Schmerzschwelle sinkt nach unruhigen Nächten messbar. Dieser Zusammenhang wirkt in beide Richtungen, was ihn zu einem der wirksamsten Ansatzpunkte macht.

Es lohnt sich deshalb, den Schlaf ernsthaft anzugehen: regelmässige Zeiten, ein kühles und dunkles Schlafzimmer, Bildschirme in der letzten Stunde meiden, Koffein ab dem frühen Nachmittag reduzieren. Das klingt banal, hat aber bei anhaltenden Schmerzen oft mehr Wirkung als eine zusätzliche Behandlung.

Ähnliches gilt für die Aktivitätsdosierung. Viele Betroffene kennen das Muster, an guten Tagen zu viel zu erledigen und danach mehrere Tage auszufallen. Hilfreicher ist es, das Pensum an einem mittleren Niveau auszurichten und auch an guten Tagen dabei zu bleiben — mit dem Ziel, gleichmässiger statt in Wellen aktiv zu sein.

Ich spreche diese Punkte in der Behandlung an, weil sie darüber entscheiden, wie lange das hält, was wir gemeinsam erarbeiten.

Einen neuen Weg mit chronischen Schmerzen finden

Ich nehme mir Zeit für Ihre Geschichte und arbeite in einem Tempo, das Ihr Nervensystem nicht überfordert.

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